Luftbilder

Seit April 2015 fertigen wir Luftbilder mit dem Quadrocopter DJI Phantom 3 Professional (Drohne). Dieses Modell zeichnet sich durch eine integrierte, hochwertige Onbordkamera der Firma Sony mit einem Sichtfeld von 94° aus. Trotz der recht kurzen Brennweite von 20 mm (umgerechnet auf 35 mm Film) weisen die Bilder mit einer Auflösung von 4000 x 3000 Pixel nur eine sehr geringe Verzeichnung auf. Vor der weiteren Verwendung werden die Luftbilder photogrammetrisch entzerrt. 

Quadrocopter Phantom 3 Professional von DJI [Foto Mihm]

Am 07.04.2017 ist eine neue Verordnung für den Einsatz von Coptern (Drohnen) in Kraft getreten. Eine Allgemeinerlaubnis zum Aufstieg von unbemannten Luftfahrtsystemen von dem jeweiligen Bundesland ist für uns damit nicht mehr erforderlich, weil das Startgewicht unseres Copters weniger als 5 kg beträgt. 

Problematisch für unsere Arbeit ist § 21b (1) LuftVO: „Der Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen ist verboten, sofern er nicht durch eine in § 21a Absatz 2 genannte Stelle oder unter deren Aufsicht erfolgt,“ unter anderem „5. über und in einem seitlichen Abstand von 100 Metern von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen, soweit nicht die zuständige Stelle dem Betrieb ausdrücklich zugestimmt hat, […]. Zu den in § 21a Absatz 2 genannten Stellen gehören – soweit hier relevant – „Behörden, wenn dieser [der Betrieb] zur Erfüllung ihrer Aufgaben stattfindet.“ Das bedeutet, wenn ein Auftrag der Staatsanwaltschaft vorliegt, steht das Betriebsverbot nach § 21b (1) LuftVO dem Einsatz einer Drohne wohl nicht entgegen, weil es sich dabei um eine „Behörde“ handelt. Bei einem Gerichtsauftrag scheint die Ausnahme vom Betriebsverbot nicht ohne Weiters einschlägig zu sein.

Die uns vorliegende Ausnahmegenehmigung (Befreiung von Betriebsverboten gemäß § 21b LuftVO) erlaubt u.a., den Copter in geringerer Entfernung als 100 m von einer Bundesstraße einzusetzen, allerdings nur unter Einhaltung der „1:1-Regelung“ (die Höhe des Fluggeräts über Grund muss stets kleiner als der seitliche Abstand zur Infrastruktur sein). Damit ist es nicht möglich, ein brauchbares Luftbild von der Fahrbahn zu fertigen. 

Luftbild von Kreisel Bundesstraße
Dieses Luftbild einer Bundesstraße wurde vor dem 07.04.2017 mit dem Quadrocopter aus einer Höhe von 40 m ü.G. gefertigt.   

Bis Juli 2015 wurden in unregelmäßigen Zeitabständen Befliegungen mit einem Gyrocopter (Drehflügelflugzeug) oder einer Cessna in Südhessen und Baden-Württemberg durchgeführt, um Luftbilder von Straßen und Kreuzungen mit hoher Auflösung zu fertigen. Die Metadaten der Luftbilder enthalten GPS-Koordinaten für die Positionsbestimmung. Die 1400 Luftbilder sind nach wie vor in einer Datenbank katalogisiert und können zur Verwertung in Gutachten verwendet werden. Der Einsatz eines bemannten Fluggerätes ist vergleichsweise aufwendig und führt oft zu minderwertigeren Ergebnissen.

Cessna
Cessna Motorflugschule Egelsbach


Gyrocopter Gyroaviation

Es stellt sowohl für den Piloten als auch für den Fotografen eine echte Herausforderung dar brauchbare Luftbilder durch das kleine Klappfenster zu fertigen. Vom Soziussitz des Gyrocopters ist es leichter senkrecht nach unten zu fotografieren.

Der Sozius im Gyrocopter hat ausreichende Bewegungsfreiheit

Die einst sehr effektive Methode zur Erstellung von Luftbildern einer Unfallstelle mit dem Quadrocopter ist durch die aktuelle Drohnenverordnung stark eingeschränkt. Wenn die Aufnahme von Luftbildern mit einem Copter (aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen) nicht möglich ist, müssen mit Hilfe eines Hochstativs mehrere Fotos aus unterschiedlichen Positionen von der Unfallstelle aufgenommen werden, die anschließend photogrammetrisch verarbeitet werden.